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Europäische Lernwerkstättentagung vom 23.09. bis 27.09.2016 in Bovenden-Eddigehausen – Ein Rückblick

Mit einem Koffer voller herbstlicher Materialien zum Thema „Muster“, die Schüler_innen zum Staunen und Fragen anregen, ihren Forscherdrang wecken sollen, bin ich vom 23.- 27.September zur europäischen Lernwerkstättentagung nach Bovenden-Eddigehausen in der Nähe von Göttingen gefahren. Nach einem spannenden Wochenende, an dem wir uns auf vielfältige Art und Weise nicht nur mit dem Lernen und Lehren in einer Lernwerkstatt,

 

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sondern auch mit dem Thema „Muster“ auseinandergesetzt haben,

 

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kam am Montag (26.09.) endlich der Koffer in der Grundschule in Rosdorf zum Einsatz. Anders als bei den Vorbereitungen angenommen, bin ich dabei aber nicht mit meinem eigenen Köfferchen in die Klasse gegangen. Stattdessen habe ich insgesamt drei Koffer von anderen Teilnehmer_innen der Tagung übernommen und die Arbeit der Schüler_innen mit den Inhalten dieser Koffer als Lernbegleiter unterstützt. Spannend für mich war hierbei, dass ich im Vorfeld weder die Klasse noch den genauen Inhalt der Koffer kannte. Jeder Teilnehmer_in hatte zu Hause einen eigenen Koffer für die Kinder gepackt und das Thema entsprechend der eigenen Vorstellungen in den Koffern verarbeitet. Entsprechend waren die Koffer sehr vielfältig und ganz unterschiedlich bestückt.

 

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Ich habe dann am Montag nach einer kurzen Einführung zum Thema „Muster“ mit der mir zugeteilten vierten Klasse die drei Koffer im Stuhlkreis geöffnet und mit den Schüler_innen den Inhalt gemeinsam erkundet. Die Schüler_innen haben nach dem Öffnen der Koffer den jeweiligen Inhalt beschrieben und sind mit mir in einen kleinen Forscherdialog getreten, indem sie sich überlegt haben, was das Thema des jeweiligen Koffers ist und wie sich mit dem Kofferinhalt zum Thema „Muster“ forschen und arbeiten lässt. So enthielt ein Koffer, neben einem Mikroskop, mehren Skalpellen und verschiedenen Lupen, unterschiedliche Gemüsesorten, wie z. B. ein Brokkoli, eine Zwiebel und eine Zitrone. Ein anderer Koffer enthielt  zahlreiche Kronkorken und große Strohhalme. Der dritte Koffer war gefüllt mit Kopiervorlagen, die die Schüler_innen ausmalen und anschließend, je nach Form, zu Würfen oder Pyramiden zusammenkleben  konnten.

 

Nachdem die Schüler_innen erste Forscherfragen formuliert und Ideen zur Arbeit mit den Inhalten der  Koffer geäußert haben, konnten die Kinder 60 Minuten eigenständig mit dem Inhalt der Koffer in und vor der Klasse arbeiten. Hier hat sich gezeigt, dass die Schüler_innen, die seit der ersten Klasse einmal wöchentlich in die schuleigene Lernwerkstatt gehen, mit dem entdeckenden und forschenden Lernen vertraut sind und sich eigenständig mit Material auseinandersetzen können. So nahmen die Schüler_innen verschiedene Versuchsreihen mit dem Mikroskop und dem Gemüse vor, legten aus den Kronkorken und den Strohhalmen verschiedene Bauwerke und gestalteten bunte Pyramiden und Würfel. Keines der Kinder war über- oder unterfordert. Stattdessen herrschte die ganze Zeit eine tolle Arbeitsatmosphäre in der sich die Schüler_innen entsprechend ihrer individuellen Vorstellungen und Kenntnisse mit den Inhalten der verschiedenen Koffer auseinandergesetzt haben.

 

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Ich konnte in meiner Rolle als Lernbegleiterin die Schüler_innen beobachten und auch mit Ihnen ins Gespräch kommen. Besonders schön und spannend war für mich zu sehen, dass die Arbeit mit den Inhalten der Koffer wirklich alle Schüler_innen dort abgeholt hat, wo sie stehen, sie dort zum Staunen und Fragen anregt, sie inspiriert und das Interesse und den Forscherdrang der Kinder geweckt haben. Dies wurde vor allem am Beispiel einer Schülerin aus Syrien deutlich die bisher nur wenig deutsch spricht, die aber den ganzen Schultag in die Arbeit mit den Koffern eingebunden war und ihren individuellen Fragestellungen, auch mit Hilfe der anderen Schüler_innen, nachgegangen ist.

 

Insgesamt waren sowohl dieser Tag in der Schule als auch die Lernwerkstättentagung insgesamt sehr spannend und haben mir einen neuen Einblick in das Lehren und Lernen in Lernwerkstätten gegeben. Ich freue mich jetzt schon auf die Tagung im nächsten Jahr und bin gespannt, was rückblickend noch aus der Grundschule kommt, die die ganze Woche noch mit den Koffern und dem Thema „Muster“ weitergearbeitet haben.

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